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Toiletten-Videoüberwachung bei Burger King

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Toiletten Videoüberwachung bei Burger King

Bild von CBS_Fan

Kürzlich war ich mal wieder Gast bei einer Filiale von Burger King. Da ich aus etwaigen Gründen seltener solche Fast-Food-Restaurants besuche, war ich doch sehr verblüfft, als ich auf den Toilettentüren die Aufschrift “Diese Toilette wird zu ihrer Sicherheit videoüberwacht!” (Zitat aus der Erinnerung) gelesen habe.

Das ist - wie ich finde - doch eine sehr große Anmaßung. Denn ist das Toilettengeschäft nicht eine der privatesten Sachen, die es gibt? Der alltägliche Kleidungsschutzmantel wird fallengelassen und es geht hier um körperliche Funktionen, die man sicherlich nicht mit Allen teilen möchte.

Sicherheit oder Privatsphäre?

Meist wird das Thema der Überwachung, speziell der Videoüberwache, zu einem Wertekonflikt hochstilisiert. Die zwei Werte von denen ich hier spreche sind Sicherheit und Privatsphäre. Doch was sind eigentlich Sicherheit und Privatsphäre?

Was ist Sicherheit?

Für mich stellt der Begriff “Sicherheit” zwei unterschiedliche Dinge dar. Einerseits existiert das Sicherheitsgefühl, also das Gefühl, dass angibt wie sicher man sich in einer Situation fühlt. Andererseits beschreibt man mit Sicherheit auch die tatsächliche Sicherheit, also die Tatsache, dass Alles in einem vorher definierten Rahmen ablaufen wird. Je nach Situation in der man sich befindet, kann das eigene Sicherheitsgefühl gering oder stark ausgeprägt sein. Es gibt dabei sehr viele Faktoren, die das persönliche Sicherheitsgefühl beeinflussen könnnen.

Welche Faktoren beeinflussen das Sicherheitsgefühl?

  1. Die Begleitung: Ist man alleine oder mit anderen Leuten unterwegs? Für mich persönlich ist dies wohl der wichtigste Faktor für das eigene Sicherheitsgefühl. Der Mensch ist ein Gruppentier und in dieser Eigenschaft begehrt er die Gesellschaft von anderen Menschen, unter anderem auch um die eigene Sicherheit zu garantieren. Denn in der Gruppe ist man immer stärker als allein. Um eine Sache dabei jedoch klarzustellen: Mit “Begleitung” meine ich Personen, zu denen ein gutes Vertrauensverhältnis besteht, also keine Fremden.
  2. Der Ort: Dieser Faktor ist wohl genauso wichtig wie die Anzahl der Personen. Ist man alleine, aber befindet man sich in den eigenen vier Wänden ist das Sicherheitsgefühl mit hoher Wahrscheinlichkeit sehr stark ausgeprägt. Verlässt man dann jedoch die Sicherheit der eigenen vier Wände, kann alles passieren. Es kommt eine fast unendliche Anzahl an Umweltfaktoren hinzu, auf die man selbst keinen Einfluss hat. Sollte man die Straße überqueren? Ein Auto könnte zu schnell fahren und das Leben beenden? Das sind dann die normalen Alltagsrisiken, die jedem bekannt sein sollten. Wie man damit umgeht? Das ist dann eine Frage des Charakters.Eine besonders wichtiger Faktor in diesem Feld ist das Personenumfeld in dem man sich aufhält. Befindet man sich an einem Ort wo viele Personen sind? Das Sicherheitsgefühl steigt! Befindet man sich an einem Ort an dem wenige oder keine Leute sind, und man kann diesen Personen nicht vertrauen? Das Sicherheitsgefühl sinkt! Welchen fremden Personen dabei das Sicherheitsgefühl stärken und welche es abschwächen ist auch eine Frage der Sozialisierung. Viele Leute haben beispielsweise Angst vor Personen, welche sozial schlecht angesehen sind, obwohl sie grundsätzlich keine größere Bedrohung darstellen.Des Weiteren sollte man auch die materialistischen Einflüsse nicht vergessen. Sieht eine Gegend heruntergekommen und ärmlich aus, sinkt das Sicherheitsgefühl. Denn aufgrund einer negativen Eigenschaft - also der Armut - werden automatisch weitere negative Assoziationen, wie zum Beispiel Kriminalität, geschaltet. Dadurch sinkt dann das Sicherheitsgefühl ebenfalls.
  3. Der Charakter: Manche Personen leben vorsichtig und versuchen keine Risiken im Leben einzugehen, um die eigenen Überlebenswahrscheinlichkeit zu erhöhen. Manch andere Personen  leben viel risikoreicher und spielen somit die stereotypische Rolle des Draufgängers. Mit diesem Lebensstil liegt Lebenserwartung statistisch deutlich geringer. Dennoch hat ein solcher Draufgänger in dieser kürzeren Zeit mehr vom Leben: Denn er lebt ohne Angst und Furcht. Während die furchtsame Person jedwedes Risiko meidet und sich immer unsicher fühlt, ist der Draufgänger selbstsicher und hat keine Furcht. Jeder von uns kann durch eine Mischung dieser Archetypen klassifiziert werden.
  4. Die Physis: Körperliche Eigenschaften, also die Physis eines Menschen, können das Sicherheitsgefühl stark beeinflussen. Ist man jung, stark und dynamisch hat dies ein gewisses Sicherheitsgefühl zur Folge. Man hat das Gefühl anderen körperlich überlegen zu sein und kann somit gedanklich bestimmte Personen als Bedrohung eliminieren, wenn man sie als schwächer ansieht. Umgekehrt verhält es sich, wenn man alt, schwach und gebrechlich ist. Dann ist jeder andere Mensch eine potentielle Bedrohung, da man sich in keinem Fall verteidigen kann.
  5. Naturereignisse: Die Natur kann mehr Macht über den Menschen haben als man denkt. Einer der Gründe ist wohl, dass sie eine Macht ist, die der Mensch bis Heute noch nicht kontrollieren kann. Ich möchte hier insbesondere auf die geistige Macht der Natur über den Menschen eingehen. Beispielsweise hat die Tageszeit einen sehr großen Einfluss auf die Sicherheit. Nachts fühlen sich die meisten Menschen unsicherer als tagsüber. Aber aus welchem Grund? Eigentlich sind ja heutzutage die meisten öffentlichen Plätze ausreichend beleuchtet!
    Ich denke, dass die Furcht vor der Nacht einerseits ein menschlicher Instinkt, andererseits ein Effekt der Sozialisierung ist. Der Instinkt ist wohl darauf zurückzuführen, dass man nachts allgemein weniger sehen kann. Dadurch wird es schwieriger potentielle Feinde zu erkennen und man wird daher automatisch vorsichtiger, das Sicherheitsgefühl nimmt ab. Zudem hat die Sozialisierung, also das Aufwachsen in einem bestimmten gesellschaftlichen Umfeld, darauf auch einen Einfluss.
    Den Meisten wird als Kind schon eingebläut vor der Dunkelheit nach Hause zu kommen, weil es dann gefährlich wird. Dieses Bild wird zudem auch noch durch die Medien, beispielsweise durch Horrorfilme, forciert. Die bekannten statistischen Fakten lassen sich jedoch natürlich nicht verneinen: Nachts finden mehr Verbrechen statt als tagsüber. Das Risiko Opfer eines Verbrechens zu werden steigt also nachts an. Weitere Umwelteinflüsse, wie beispielsweise Gewitter, Stürme oder Fluten können das Sicherheitsgefühl - auch schlichtweg aufgrund der direkten Lebensbedrohung - noch weiter abschwächen.

Was ist Privatsphäre?

Der Term “Privatsphäre” besteht aus zwei Wörtern, zum einen aus dem Wort “privat” und zum anderem aus dem Wort “Sphäre”. Das Wort “privat” lässt sich mit dem Wort “persönlich” gleichsetzen und lässt sich am Einfachsten durch einen Ausschluss definieren: Alles was keine anderen Personen, außer jene aus dem engsten Kreis, etwas angeht. Mit dem Wort “Sphäre” bezeichnet man ein kugelförmiges Objekt. In diesem Zusammenhang bedeutet die Sphäre dabei den Umkreis, in welchem der private Zustand gewährleistet werden sollte. Die Privatsphäre ist also ein Raum des Menschen, der vor der dem Eindringen Anderer geschützt werden sollte. Denn dies ist eine Frage der Freiheit und letztendlich das, was den Menschen zum Mensch macht.

Im Gegensatz zur Sicherheit ist die Privatsphäre kein Gefühl, sondern ein Raum. Diesen Raum kann man zwar nicht berühren, aber er existiert dennoch und sollte für jede Person bestehen.

Schließen sich Sicherheit und Privatsphäre aus?

Die Frage, die man sich nun stellen muss ist Folgende: Schließen sich Privatsphäre und Sicherheit aus? Ich denke nicht. Wie oben aufgeführt gibt es eine Reihe von Faktoren, welche das Sicherheitsgefühl beeinflussen können. Deswegen kann man sich sicher und geschützt fühlen, obwohl die Privatsphäre gewährleistet bleibt. Schließen sich allerdings Privatsphäre und Überwachung aus? Ich denke schon. Überwachung ist ein direktes Eindringen in die Privatsphäre, da man nicht kontrollieren kann, wann diese Überwachung stattfindet, da sie an sich nichts Freiwilliges ist. Jegliche Privatsphäre wird also dadurch zerstört.

Wahl zwischen Sicherheit und Privatsphäre?

Man wird also nicht - wie es so oft in den Medien dargestellt wird - vor die Wahl zwischen Sicherheit und Privatsphäre gestellt. Denn man kann beides haben, und dies ganz ohne Überwachung. Und warum sollte man seine Privatsphäre einschränken, wenn man dasselbe Sicherheitsgefühl auch ohne Einschränkung erreichen kann? Fühlt man sich unsicher sollte man lieber versuchen sich selbst und sein Leben zu verändern, um mehr Sicherheit zu erlangen, als solch drastische Methoden wie Überwachung zu fordern.

Effektiver Nutzen von Überwachungskameras?

Differenzierter betrachtet, geht es nun jedoch um eine allgemeine Verbesserung der Sicherheit durch Überwachungskameras. Doch die Frage, die man sich dabei stellen muss, ist: Ist dies nicht ein Placebo-Effekt? Eine Kamera mag das Sicherheitsgefühl verbessern, aber verbessert sie die Sicherheit? Würde sich ein Triebtäter von einer Kamera von einem Verbrechen abschrecken lassen? Zumindest bei Kurzschlussreaktionen lässt sich hier ganz klar auf diese Frage antworten: Nein! Denn in einer solchen Situation würde eine Kamera gar nicht auffallen und die Tat würde trotzdem stattfinden. Und was geschehen ist, das kann auch nicht mehr rückgängig gemacht werden. Der Schaden der angerichtet worden ist kann auch durch - womöglich gespeichertes  - Beweismaterial nicht rückgäng gemacht werden.

“1984″ als Vorbild?

Selbst wenn jedoch manch ein Verbrechen durch eine verschärfte Überwachung verhindert werden könnte, ist dies den Preis für den Verlust unserer Freiheit nicht wert. Beispielsweise war die DDR wohl einer der sichersten Staaten der Welt, da die Staatssicherheit Kontrolle über den Großteil der Bevölkerung hatte. Doch waren die Menschen damit glücklich? Ich denke nicht! Man sieht also, dass Freiheit eher in der Natur des Menschen liegt, als Sicherheit. Zudem, lässt sich die Sicherheit, wie oben aufgeführt auch auf anderen Wegen erreichen.

Die Konsequenzen ziehen

Uns bleibt also die Freiheit frei zu sein und damit auch die Wahl zwischen Sicherheit und Freiheit. Ich wähle die Freiheit und kann in diesem Zuge nur jedem der ähnlich denkt anraten, Konsequenzen folgen zu lassen und beispielsweise Firmen, welche Überwachungsmaßnahmen implementieren, zu boykottieren. Gerade im Zuge der weiteren technologischen Entwicklung, zum Beispiel durch Verbesserung der Gesichtserkennung und Mustererkennung, sollte noch mehr Vorsicht angeraten sein.

Weitere Informationen

Besonders lustig wird das Ganze, wenn es dann noch Überwachungsfirmen gibt, welche den Buchtitel von George Orwells “1984″ im Namen enthalten, wie zum Beispiel auf Go1984. Das wird mit Sicherheit kein Zufall sein. Weitere Informationen zu dem Thema Überwachung und ihr Nutzen gibt es beispielsweise auf den Seiten des Chaos Computer Clubs.

Bei Burger King als Beispielfall habe laut Heise unter anderem sogar eine Mitarbeiterüberwachung stattgefunden.

Was ist eure Meinung zu der Überwachungs-Problematik? Seid ihr bereit einen Teil eurer Freiheit für mehr Sicherheit einzutauschen? Wann geht das Ganze zu weit?

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18.April.2009, Autor: Matze 
Tags: burger, faktoren, freiheit, king, konsequenz, privatsphäre, sicherheit, überwachung, video

5 Antworten to “Toiletten-Videoüberwachung bei Burger King”

  1. Peter
    April 18th, 2009 at 09:04

    Manche McDoof Läden haben auch Kameras.


  2. Andy
    April 18th, 2009 at 16:33

    Echt eine gute Zusammenfassung!! In meiner Beruflichen Tätigkeit treffe ich sehr oft auf diese Diskussionen, die zum Teil auch sehr anstrengend werden können. Die Meinungen gehen da sehr weit auseinander. Ich persönlich bevorzuge aber lieber mehr Überwachung und weniger Privatsphäre als das Risiko der Kriminalität ausgesetzt zu sein. Ürgigens bin ich auch gerade an einer Serie über Sicherheitskonzepte.

    Gruss Andy


  3. Matze
    April 18th, 2009 at 17:09

    Hm… meine Meinung ist gerade, dass die Videoüberwachung größtenteils lediglich das Sicherheitsgefühl verbessert, sich die echte Sicherheit aber nicht stark verändert. Hast du dir den Link vom CCC durchgelesen? Ich bin ziemlicher Überzeugung, dass die abschreckende Wirkung von Kameras relativ gering ist, da man sich beispielsweise auch verhüllen kann. Zudem ist die Kameratechnik partiell auch noch nicht so gut, sodass trotz einer Gesichtsaufnahme der Täter nicht ermittelt werden kann.


  4. Mario
    Juli 10th, 2009 at 09:53

    Ich bin ehrlich gesagt auch etwas geteilter Dinge, wenn ich über dieses Thema nachdenke. In der Regel werden solche Sicherheitsmaßnahmen ja erst eingeführt, wenn vermehrt auf eben dieser Toilette etwas vorgefallen ist, was dazu führt Kameras aufzustellen. Ich vermute allerdings, dass es sich hierbei eher um Vandalismus handelt, welcher durch die Kameras gestoppt werden soll. Aus diesem Grund finde ich es auch wirklich eine Frechheit auf Toiletten Kameras zu installieren. Bisher habe ich noch von keinem Fall gehört, bei welchem Jemand auf der McDonalds Toilette ausgeraubt wurde. Und wenn dies mal der Fall gewesen ist, dann würden Statistiken bestimmt zeigen, dass es nicht nur ein McDonalds spezifisches Problem ist. Naja. Bisweilen hatte ich keine Angst im McDonalds auf die Toilette zu gehen. Dies würde sich allerdings sehr schnell ändern, wenn ich eine Kamera sähe :D


  5. Peter
    Januar 3rd, 2010 at 16:50

    Hallo,
    danke für die kritische Betrachtung. Deine Ausführung zum zum Sicherheitsgefühl kann ich voll und ganz nachvollziehen - da geht es mir ähnlich.
    Ich glaube nicht, das die Videoüberwachung auf einer Toilette irgendetwas mit Sicherheit der Toilettenbenutzer zu tun hat (naja, bestenfalls auf einer üblen Bahnhofstoilette in einem wirklich üblen Bahnhof). Mit sehr großer Wahrscheinlichkeit geht es nur um die Sicherheit des dort installierten Mobilars und das Sicherheitsgefühl des Betreibers. Das sich dieser Sorgen um sein Eigentum macht, ist sein gutes Recht. Wenn Gäste das nicht mögen, haben sie die Wahl, diesen Betreiber nicht wieder zu beehren. Im Einezlfall gilt es aber in meinen Augen abzuwägen: Eine Videoüberwachung im Bereich der Toiletten selber oder der Urinale geht nicht. In einem Waschraum mit Tür und einer Kameraposition, mit der diese keinen Blick in den eigentlcihen Toilettenraum haben kann, halte ich für akzeptabel, wenn es zum einen eine zeitlich begrenzte Aktion und zum anderen einen konkreten Anlaß gegeben hat. Als Betreiber würde ich diesen kommunizieren, z.B. mit Bildern des zerstörten Inventars etc. Auch als Besucher muss man eine Abwägung der verschiedenen Werte machen, wenn man fair sein will. Letztlich zahlt ja auch der Besucher die zerstörte Toilette… denn auf den Preis der Ware oder die Versicherungsprämie (von uns allen) schlägt sich das irgentwo nieder.
    Leider kommt es oft vor, das Kameras aufgehangen werden, ohne einen sinnvollen Grund zu nennen. Dann so ein Feigenblatt zu ziehen, wo man dem Besucher/Gast/Kunde versucht zu verkaufen, es ginge um seine Sicherheit, ist schlicht albern.


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